Rufina

Nach dem perfekten Sonnentag gestern hatten wir die Hoffnung, dass uns der Wettergott auch heute hold ist. Denn wir wollten den höchsten Gipfel der Amalfi-Küste besteigen. Und der Blick aus dem Fenster versprach Gutes, nämlich ???!

Da die Wanderung sehr lang sein würde mussten wir früher aufstehen und alles gut einplanen, da wir im Prinzip von der Nordseite zur Südseite über den Gipfel wandern wollten. Mit dem kostenlosen Shuttlebus des Hotels, der mehrmals am Tag fuhr, haben wir uns ins Zentrum nach Sorrent fahren lassen. Nun noch zum Bahnhof laufen, was wir in 11 min schaffen mussten. Haben 8 min gebraucht, schnell ein Ticket gekauft (2 € pro Person) und auf den Bahnsteig gesprungen. Dieser war schon gut gefüllt. Die Bahn war äußerlich in keinem guten Zustand. Wir hatten davon gelesen das die Bahn in nicht besonders guten Zustand sein solle. Abgesehen von der Optik fühlten wir uns trotzdem sicher. Durch viele Tunnel ging es nach Castellamare, um dort direkt vom Zug in die Seilbahn zu steigen. Die Fahrzeiten hatten wir uns ja bereits am Vortag eingeholt. Bis zur Fahrt der Seilbahn um 10 Uhr haben wir schon mal die wärmende Sonne genossen.

Insgesamt 9 Passagiere nutzen die Fahrt zur 1.102 m hohen Bergstation (Stauione Monte Faito). Dabei hatten wir wieder unglaublich gute Ausblicke auf den Golf von Neapel. Die 5,50 € für die Fahrt sollte man investieren. Schön, dass die Seilbahn wieder in Betrieb war, einige Jahre war das nicht so, weil vorgeschriebene Wartungen wohl nicht durchgeführt worden sind und nach 60 Jahren die Betriebserlaubnis erlischt. Die Technik war schon etwas „rustikal“, aber wie beim Zug haben wir uns keine Sorgen gemacht.

Oben angekommen mussten wir feststellen, dass sich bereits einige Wolken gebildet haben. Noch war es sonnig, aber erste Wolkenfetzen zogen an uns vorbei. Und wir wollten noch mehr als 300 Meter höher. Hmm, das wird ja wieder doof, stehen auf dem Gipfel und sehen dann nichts. Nun waren wir aber schon mal hier oben, und was geplant war wird durchgezogen. Da staune ich immer über Gritti, dass sie diesen Biss hat! Entlang an einem Steilhang ging es an einigen größeren Antennenanlagen vorbei in Richtung Osten. Wir waren allein auf dem Weg und konnten die Ruhe in der Wolke genießen. Ist immer faszinierend wie still es in einer Wolke wird.

Unser Wanderführer versprach uns aussichtsreiche Sichten, wenn wir die kleine Kapelle San Michele erreichen. Nun ja, wie an unserem ersten Wandertag war auch diese Kapelle in eine Wolke gehüllt und somit die Aussichten nicht vorhanden. Die Kapelle war offen und wir konnten Sie uns anschauen. Kurz vor der Kirche stand auf dem Weg ein Hund, der uns irgendwie zu erwarten schien. Nun bin ich bekanntermaßen kein allzu großer Freund von Hunden, schon gar nicht von Hunderassen, die gemeinhin als Kampfhunde bezeichnet werden. Den so einer war er, ein Staffordshire Bullterier. Mir war ein wenig mulmig, weil er unangeleint hier rumlief und kein Mensch zu sehen war, wo wir hofften, dass es das Herrchen war. Nun wussten wir ja, dass sich hier die freilaufende Hunde den Wanderern einfach anschließen und mitlaufen, um dann irgendwann wieder zu verschwinden. Nun hatten wir aber solch einen Hund! Sie, es war eine Hündin, war aber so verspielt und freute sich regelrecht über Streicheleinheiten und Zuwendung. Gepflegt war sie, also kein Straßenköter. Nachdem wir die Kapelle besichtigt hatten setzen wir unseren Aufstieg fort. Die Hündin, ich wollte sie Rufus nennen, haben uns aber dann auf „Rufina“ geeinigt, wich uns nun nicht mehr von der Seite. Man hatte schon den Eindruck sie wolle uns den Weg zeigen.

Cappella San Michele, 1.278 m
Die Jungfrau Maria war auch nicht fürs Wetter verantwortlich.

Michas neuer Freund

An einem Abzweig auf unserem weiteren Weg ging es steil bergauf zu einer kleinen Grotte. Hier haben uns dann 3 Italiener überholt, die von einem anderen Weg hinaufgestiegen sind. Rufina schloss sich dieser Gruppe an, wir waren ihr wohl zu langsam. War ja nicht schlimm, irgendwie waren wir froh sie wieder loszuwerden.

Kurz vor der Grotte mussten wir aber aufgeben, weil der Weg schon weggekrochen war und man sich an einer Kette festhalten musste, um nicht den Abhang runterzufliegen. Man muss ja das Schicksal nicht herausfordern. Also den Weg wieder zurück auf den Hauptweg. Durch Ein Waldgebiet ging es immer weiter bergauf. Irgendwann lachte mich ein Viertel Dollar, der auf dem Weg lag und wohl jemand verloren hatte, an. Aus Kentucky stammte diese. Nehme ich sie mit, als Erinnerung.

Den Gipfel haben wir dann steilem Anstieg mit einigen Klettereinlagen erreicht. Ich hatte mich schon damit abgefunden von dort nichts zu sehen, da die Wolken immer wieder um uns auftauchten. Sah aber trotzdem irgendwie mystisch aus, wie sie so durch die Bäume kroch. Oben angekommen riß aber die Bewölkung immer wieder auf, so dass man mal wieder herrliche Aussichten genießen konnte. Auf dem Gipfel waren schon 2 Amerikaner und die 3 Italiener – und Rufina, die dort gemütlich schlief.

Nach einem Picknick und den obligatorischen Fotos vor dem Gipfelkreuz ging es wieder bergab, nicht ahnend, dass es harter Weg werden würde. Meine armen Füße habe ich hinterher gedacht. Die Amerikaner und die 3 Italiener haben sich kurz vorher getrollt. Sie haben auch Rufina mitgenommen.

Jetzt hatte ich die Gelegenheit meine Drohne fliegen zu lassen. Es war windstill und kein Mensch da, den wir hätten stören können. Aber Pustekuchen, es kamen 2 Schwaben um die Ecke. Reicht doch, wenn wir sie schon in Berlin an jeder Ecke haben! ? Sie sind wie die Sachsen, immer überall anzutreffen. Also habe ich sie nicht ausgepackt. Zwischenzeitlich haben sich die Wolken etwas angehoben, so dass die Aussichten immer besser wurden. Nun konnten wir die gesamte Amalfi-Halbinsel überblicken. Auch der Vesuv zeigte sich, auch er war ja heute in den Wolken. Bloß gut, dass wir gestern dort oben waren.

Steil, aber machbar.

Monte San Michelle, auf 1.444 m Höhe

Der Abstieg wurde immer steiler und da jetzt strahlender Sonnenschein war würde es auch recht schnell warm. Endlich kurzärmelig unterwegs sein. Dafür mehr Gepäck im Rucksack. Teilweise hatte der Weg ein Holzgeländer, welches aber so wackelig war, dass es keine gute Idee war sich dort abzustützen. Ansonsten wäre man schneller nach unten gekommen. Irgendwann kamen uns auch Wanderer entgegen, auch 2 junge Männer, die Rufina im Gepäck hatten. Rufina hechelte schon entsetzlich. Die beiden Männer fragten, ob das unser Hund war, was wir verneinten. Aber wir hatten Wasser dabei und wir mussten Rufina was zu trinken geben, da es hier oben keine Quellen gab. Somit hatten wir Rufina wieder „an der Backe“. Na gut, wir hatten uns schon daran gewöhnt. Wir dachten wir nehmen Sie bis nach unten in den Ort Montepertuso, dort wird es Leute geben, die sich ihrer annehmen werden. Also musste Rufina die ganze Strecke nach unten mitkommen, immerhin über 1.300 m. Die Stufen waren hoch, für so einen Hund sicherlich wegen der kürzeren Beine nicht einfach. Wir konnten ihr nicht allzu viel Wasser geben, wir bräuchten es ja selber. Aber es schien erst mal zu helfen. Unterwegs legte sie sich in den Schatten von Bäumen und ruhte sich aus. Wir hatten aber keine Zeit, da der Abstieg 3 Stunden in Anspruch nahm. Also musste sie auch weiter.

Von da oben kommen wir her.

Beim Abstieg blieb Rufina an einer fast trockenen Quelle zurück, während wir weiter abstiegen. Irgendwann hörten wir sie jammern und jaulen. Eigentlich dachten wir sie wäre nun versorgt und findet den Weg zurück, aber anscheinend doch nicht. Wir haben es nicht übers Herz gebracht sie dort zurückzulassen. Also kehrte ich um, knapp 10 min wieder bergauf. Schwanzwedelnd wartete sie schon. Also gut: komm mit!

Darf ich vorstellen: Rufina

Die Blicke ins Tal waren herrlich, wir konnten direkt auf Positano blicken, auch Amalfi haben wir sehen können.

Positano

An einem alten Haus haben wir einen kurzen Picknick-Stopp gemacht. Rufina hat noch etwas Wasser bekommen und unseren letzten Schokokeks. Danach legte sich sich in den Schatten und ruhte sich schniefend aus. Gritti hatte sich zwischenzeitlich auch mit ihr angefreundet.

Irgendwann haben wir dann den Ort Montepertuso erreicht. 5 Minuten die Karte studiert. Dabei kam ein junges Pärchen an uns vorbei und Rufina schloss sich ihnen einfach an. Tja, so ist das! Einfach so ist sie weg, einerseits froh, andererseits etwas traurig. Irgendwann haben wir sie im Ort wieder gesehen, aber da hatte sie sich schon wieder anderen Menschen angeschlossen.

Wir wanderten weiter durch den Ort, immer mit schönen Blicken auf die Bucht und die Häuser unter uns. Irgendwann wurden die Wege enger, es waren wieder die kleinen steilen Gäßchen. Dabei kamen wir auch an der Via Pestella vorbei. Ob einer von Grittis Vorfahren hier mal gelebt hat?

Zufall oder Absicht

Autoreparatur auf Italienisch

Immer tiefer kommend wurden die Schritte immer schwerer. Die Füße wollten nicht mehr. Gefühlte 10.000 Stufen haben wir bewältigt. Eigentlich wollten wir in Positano noch was essen und dann mit dem Bus zurück zum Hotel fahren. Aber wir haben es uns anders überlegt und haben uns dazu entschieden erst den Bus zu nahmen, um dann was zu essen. Der erste Bus hat uns wieder mal nicht mitgenommen, da er voll war. Super! Wie soll das erst werden, wenn die Hauptsaison da ist. Da hat mal wohl gar keine Chance. Eine ältere einheimische Frau (ca. 80 Jahre alt) hat uns dann gesagt, dass der nächste Bus in 5 Minuten kommt. Und das in gutem Englisch. Respekt!

Der Bus kam dann tatsächlich und nahm uns mit. Auf meine Frage hin, ob er denn über Santa Agata fahren würde hat er nur mürrisch geantwortet: „Nein, nach Sorrento!“. Solle mal einer sagen die Busfahrer in Berlin wären unfreundlich. Die Italiener können das genauso gut. Mit hohem Tempo und dem Vordermann bald im Kofferraum hängend hat er sich in die Serpentinen gelegt. In Colli di San Pietro haben wir dann den Bus zu unserem Hotel gewechselt.

Nach einem leckerem, aber zu umfangreichen Abendessen im Ort haben wir uns den Bauch massierend ins Bett gehauen. Mein Schrittzähler zeigte:

Wer sind wir?

Wer sind wir?

Wir sind Grit & Micha aus Berlin und bezeichnen uns selbst als junggebliebene Weltenbummler, auch wenn wir beide schon 50+ sind.
Seit der Wiedervereinigung Deutschlands konnten wir das Fernweh, welches doch erst dann entstanden ist ausleben. Nach der ersten gemeinsamen Reise 1991 nach Barcelona hatten wir „Blut geleckt“ und konnten seitdem viele weitere Länder in der Welt bereisen.

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